Manuskriptkarten, Genealogien und ihre Darstellungsmedien in ihrer Funktion als Beweismittel vor dem Reichskammergericht (1495-1806)
Das Projekt hat zum Ziel, anhand von Beweismitteln des Reichskammergerichts die Evidenzvermittlung über Optik/Geodäsie und die Beglaubigungsfunktion von wissenschaftlichen Kontexten im rechtshistorischen Zusammenhang in einer Synopse zusammenzuführen.
Es soll gezeigt werden, wie Evidenz von Raum und Herrschaft in einem juristischen Kommunikationsprozess bewiesen wurde. Hierzu werden die in den ca. 80.000 Prozessakten des Reichskammergerichts vorhandenen Manuskriptkarten und Genealogien mit ihren Darstellungsformen wie z. B. Wappen statistisch ausgewertet, um so ein zuverlässiges Bild über die Kommunikation vor Gericht über Raum und Herrschaft sowie Praktiken des Beweises zu gewinnen.
In einem zweiten Schritt soll in Detailstudien in den einzelnen Archiven, die gemäß dem Zuständigkeitsbereich des Reichskammergerichts räumlich das ganze frühneuzeitliche Reich abdecken sollen, der sachliche und rechtliche Kontext der Beweismittel anhand der Streitgegenstände näher untersucht werden, ergänzt durch zeitgenössische Rechtsvorschriften und Literatur.
Veröffentlichungen:
Anette Baumann: Karten vor Gericht. Augenscheinkarten der Vormoderne als Beweismittel, wbg (Wissenschaftliche Buchgesellschaft): Darmstadt 2022.
Anette Baumann, Sabine Schmolinsky und Evelien Timpener (Hrsg.): Raum und Recht. Visualisierung von Rechtsansprüchen in der Vormoderne (bibliothek altes Reich 29), De Gruyter Oldenbourg: Berlin/Boston 2020.
Siehe Katalog: Anette Baumann, Anja Eichler und Stefan Xenakis (Hrsg.): Augenscheine – Karten und Pläne vor Gericht. Ausstellungskatalog zur gleichnamigen Ausstellung vom 22.11.2014 bis 15.02.2015 im Reichskammergerichtsmuseum Wetzlar, Wetzlar 2014.
Frau Prof. Dr. Anette Baumann im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Münster bei der Sichtung von Augenscheinkarten: