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Speyer als Zentralort des Reiches

Speyer als juristischer und politischer Entscheidungsort

Moderne Staaten haben Hauptstädte, in denen Exekutive und Legislative ihren Sitz haben. Das frühneuzeitliche Reich besaß dagegen keinen zentralen Ort mit Hauptstadtfunktion, sondern mehrere wichtige Zentren wie Regensburg, Frankfurt am Main, Wien, aber auch Speyer. In wohl keiner anderen Stadt wie in Speyer zeigte sich im 16. und 17. Jahrhundert das Reich in seiner Funktion als ständische Organisation. Dort hatte das Reichskammergericht seit 1527 seinen Sitz und dort trafen sich Kaiser und Reichsstände zu Reichstagen und Visitationen des Gerichts.

Politik und Recht interagierten in vielfältiger Weise. Die protestantische Stadt war Sitz eines katholischen Bistums und stand im Schnittpunkt zwischen den konfessionellen Protagonisten Mainz und Pfalz. Im Rahmen des Projekts wurde aufgrund neu gefundener und kaum erschlossener Quellen erstmals die zentrale Funktion Speyers für das Reich und die Region als juristischer, politischer und konfessioneller Entscheidungsort untersucht. Exemplarisch wurden dabei Reichsgeschichte, Geschichte des Reichskammergerichts und die Geschichte der Reichsstadt Speyer als Gerichtsort miteinander verwoben.

Veröffentlichungen:

Anette Baumann: Visitationen am Reichskammergericht - Speyer als politischer und juristischer Aktionsraum des Reiches (1529-1588) (bibliothek altes Reich 24), De Gruyter Oldenbourg: Berlin/Boston 2018.

Anette Baumann und Joachim Kemper (Hrsg.): Speyer als Hauptstadt des Reiches - Politik und Justiz zwischen Reich und Territorium im 16. und 17. Jahrhundert (bibliothek altes Reich 20), De Gruyter Oldenbourg: Berlin/Boston 2016.

Anette Baumann: Visitationen des Reichskammergerichts: Akteure und Handlungsspielräume, in: Dies. und Joachim Kemper (Hrsg.), Speyer als Hauptstadt des Reiches - Politik und Justiz zwischen Reich und Territorium im 16. und 17. Jahrhundert (bibliothek altes Reich 20), De Gruyter Oldenbourg: Berlin/Boston 2016, S. 68-84.